Blauwasser-Veranstaltungen / Segelevents

ARC



Die Geschichte der ARC

 
Es ist Herbst und im Mittelmeer und Nordeuropa geht die Segelsaison zu Ende. So wie Tausende von Vögeln in sonnigere Gefilde fliegen, machen sich Hunderte von Booten auf den Weg, um die lange Reise über den Atlantik in die Karibik anzutreten. Traditioneller Ausgangspunkt hierfür sind wie bereits vor über fünfhundert Jahren die Kanarischen Inseln, wo Kolumbus seine Schiffe verproviantierte. Während er jedoch keinerlei Ahnung hatte, was ihn auf der anderen Seite des Ozeans erwartete, weiß der moderne Segler um die Verhältnisse des karibischen Winters mit perfekten Segelverhältnissen, steten Passatwinden und schönem Wetter.
1985 flog der bekannte britische Journalist und Buchautor Jimmy Cornell auf die Kanaren und interviewte im Auftrag der Zeitschrift „Yachting World“ mehrere Skipper, die sich dort auf die Atlantiküberquerung vorbereiteten. Die Segler, die er befragte, waren von ihrer Nationalität, ihrem Alter und ihrem Einkommen her ebenso unterschiedlich wie die Schiffe.
Die einmalige Atmosphäre unter den Seglern, die sich auf die Überfahrt vorbereiteten – ihr Enthusiasmus, ihre Anspannung, und vor allem die Kameradschaft untereinander – brachten Jimmy auf die Idee, eine Regatta über den Atlantik mit einer völlig anderen Ausrichtung als bei schon bestehenden Hochseerennen zu organisieren. Es sollte eine Rallye werden, bei der die Teilnahme Spaß macht, gleichzeitig sollten jedoch die Sicherheit und das Vertrauen besonders bei den Teilnehmern, die ihren ersten großen Hochseetörn planten, erhöht werden.
Diese Idee wurde begeistert von Fahrtenseglern und Medien aufgegriffen. Offensichtlich war die Zeit reif für eine derartige Veranstaltung. Dies war die Geburtsstunde der ARC, der Atlantic Rally for Cruisers. Sobald die Idee veröffentlicht wurde, gingen Anmeldungen aus aller Welt ein, und bereits nach wenigen Monaten musste die Startliste aufgrund der großen Teilnehmerzahl geschlossen werden; weitere Anwärter kamen auf die Warteliste.
Am 25. November 1986 fiel der Startschuss, und 204 Yachten aus 24 Ländern nahmen die Herausforderung zur größten bisher angebotenen Rallye von Las Palmas de Gran Canaria über den Atlantik an. Seitdem ist die ARC fester Bestandteil im internationalen Regattakalender und die beliebteste Art des Segelns über den Atlantik geworden.
Obwohl der Spaßfaktor bei dieser Veranstaltung im Vordergrund steht, wurde der Regattaaspekt auf Wunsch der Teilnehmer zunehmend mehr berücksichtigt. 1989 wurde eine Regattagruppe nach dem Channel Handicap System (CHS) eingeführt, so dass diejenigen, denen der Sinn nach einem echten Rennen steht, sich mit Gleichgesinnten messen können. Teilnehmer in der Regattagruppe, die nun unter der Schirmherrschaft des „Royal Ocean Racing Clubs“ nach IRC-Handikap stattfindet, stellen ungefähr 15 Prozent der Flotte, doch der größte Teil der Teilnehmer startet nach wie vor in der Fahrtenseglergruppe, in der begrenzter Motoreinsatz erlaubt ist.
Die ARC hält den Rekord als größte Transozean-Segelveranstaltung in der Welt. Nach dem Start in Las Palmas auf Gran Canaria Ende November überqueren die ARC-Yachten den Atlantik. Der Landfall erfolgt in Rodney Bay auf der Karibikinsel St. Lucia. Die 2700 Meilenpassage auf der NE-Passatroute dauert durchschnittlich 16 bis 21 Tage und vereint mehr als 200 Yachten aus verschiedenen Nationen. Ziel der ARC ist, die Atlantiküberquerung für den typischen Fahrtensegler unterhaltsamer, überschaubarer und sicherer zu machen. Denn die Sicherheit des Bootes ist ein Hauptaspekt der Rallye. Teilnehmende Yachten benötigen umfangreiche erforderliche oder empfohlene Sicherheitsausrüstung. Es gibt eine tägliche Wettervorhersage sowie einen Positions-Meldedienst über Funk, solange die Schiffe auf See sind. Die Positionen der Boote und ihre tägliche Berichte und Photos werden auf die ARC-Webseite gestellt, so dass Familienangehörige, Freunde und Segelinteressierte das Vorankommen der Yachten verfolgen können: www.worldcruising.com/arc 1999 wurde der World Cruising Club Teil von Sir Chay Blyths „Challenge Buisiness“. Seitdem hat sich die ARC prächtig entwickelt, erreichte mit 237 Yachten eine Rekordteilnahme und zieht mittlerweile über 200 Teilnehmer pro Jahr an. 2005 feierte sie ihren 20. Geburtstag.
Im Januar 2006 wurden die ARC und alle weiteren, vom World Cruising Club organisierten Veranstaltungen dem Challenge Business durch eine Management-Übernahme abgekauft.


Begebenheiten der letzten 22 Jahre
Die längsten Überfahrten
Die Yacht “Paper Moon” brauchte über ein Jahr! Sie startete mit der ARC2003 und kehrte am gleichen Tag in den hafen zurück, nachdem sie ein auf ein schwimmendes Objekt getroffen war und ihren Kiel beschädigt hatte. Im nächsten Jahr ging sie wieder an den Start, so dass ihre Überfahrt insgesamt 12 Monate und 18 Tage dauerte.
1986 benötigte “Dunkers”, eine Achilles 24 (7,40m) 33,5 Tage für die Atlantiküberquerung.

ARC Streckenrekord
2006 - 11 Tage , 5 Stunden, 32 Minuten und 30 Sekunden
Capricorno – Maxi - Rinaldo Del Bono, ITA

Die größten Yachten :
Tenacious 65,00 m Barque 2003 [Jubilee Sailing Trust Ship]
Sojana 38,00 m Farr 115 2004
ACT IV 35,93 m One off 1995
Leopard of London 29,49 m Reichel Pugh 2004

Kleinste Yacht
Raggles 6,70m Hurley 22 28 Tage 13 Stunden 1986

Gesamtzahl der Yachten und Wettbewerber der ARC
Von 1986 – 2007 haben 3691 Yachten an der ARC teilgenommen.
Der Teilnehmerrekord war 1999 – 237 Starter, und 235 davon überquerten die Ziellinie (2 kehrten nach Las Palmas zurück).
Insgesamt haben rund 17 000 Segler mit der ARC den Atlantik überquert.

Jahr Teilnehmeryachten
1986 204
1987 19o
1988 157
1989 144
1990 120
1991 116
1992 105
1993 97
1994 150
1995 171
1996 147
1997 161
1998 170
1999 235
2000 215
2001 220
2002 217
2003 225
2004 190
2005 224
2006 222
2007 235

Am häufigsten vertretene Bootswerften
Amel Super Maramu ist der häufigste Bootstyyp , gefolgt von Oyster 56 und Beneteau Oceanis 473
Die am häufigsten vertretenen Bootswerften sind Beneteau, Oyster und Hallberg Rassy

Vorfälle – Auf See aufgegebene Yachten
1987 Bamaca Westerly 33 lief vor Barbados aufs Riff
1988 Freedom Bavaria 38 lief vor Barbados aufs Riff
1990 Chaot Ruderschaft gebrochen, Yacht aufgegeben
1998 Harlequin Dehler 41 Ruderschaft beschädigt, Yacht aufgegeben
2002 F2 Hunter Legend 450 Ruderschaft gebrochen, Yacht aufgegeben
2003 Kiel beschädigt, Crew abgeborgen, Yacht gerettet
2006 Compromise Nicholson 32 Crew abgeborgen, medizinischer Notfall
2006 Arnolf Bavaria 350 Ruderschaft gebrochen, Yacht gerettet

ARC-Yachten waren auch an der Rettung von Crews auf Yachten beteiligt, die nicht an der ARC teilnahemn und sanken. So retteten sie die Crew von Cap d’Ambre 1993 und Sagitair 2001. Beide Yachten hatten Ruderausfälle.

Todesfälle bei der ARC
2002: Philip Hitchcock ertrank, nachdem er über Bord gefallen war.
2007: John Thompson starb an den Folgen einer Kopfverletzung.

Jüngster und ältester Teilnehmer
Die jüngste Teilnehmerin war Rosie Pickering bei der ARC2004, die am Starttag ihren 1. Geburtstag feierte.
Der älteste Skipper – Aubrey Long (78) in ARC 91 – war auch der Gewinner nach Handikap!

Interessante Geschichten

Katze-über-Bord
Choy-Choy hielt eingerollt ins Großsegel an Bord von Lionheart in ARC86 ein Mittagsschläfchen. Das Segel wurde gesetzt und die Katze ging über Bord. Die Crew fuhr ein Katze-über-Bord-Manöver und konnte das Tier retten.

Wingwalker wurde Wavewalker! - 1989
Während einer Flaute, als die Yacht unter Motor lief, kam Roy Butler von “Windwalker” an Deck, rutschte aus und fiel über Bord. Es gelang ihm, eine der Spinnakerschoten zu greifen und lauthals seine Crew zu alarmieren. Glücklicherweise konnte diese Fahrt aus dem Boot nehmen und Roy sich mithilfe der Schot wieder an Bord hieven. Daruafhin erhielt er den Spitznamen “Wavewalker”.

Erster blinder Skipper
Der blinde Segler Richard Horton-Fawkes war Skipper der Sigma 38 Incitatus in ARC92.

Einhand-Skipper – ARC93
Die Crew der Amber Nectar musste eine Woche nach dem Start nach Ruderverlust die Yacht verlassen und auf einen Tanker wechseln, der nach Westafrka fuhr. Doch im Gegensatz zur dreiköpfigen Besatzung weigerte sich der Skipper, Anthony Stubb, von Bord zu gehen. Er informierte die amerikanische Küstenwache, die die Operation koordinierte, dass er Vorräte für zwei Monate an Bord habe und Notreparaturen durchführen werde. Er baute aus zwei Paddeln ein Notruder und segelte einhand die verbleibenden 2000 Meilen nach St. Lucia.

“Bier-varia” 46 in ARC 2001
Baer II, eine in Deutschland registrierte Bavaria 46 überquerte die Ziellinie in St. Lucia. Die Yacht bot ein phantastisches Schauspiel – eine Flaggenparade aus 250 Bierdosen, die während der Überfahrt von den vier Crewmitgliedern geleert worden waren. Ursprünglich waren es wohl 400 Dosen gewesen, doch einige waren über Bord gegangen!

St. Lucia Hochzeit ARC95
Während der ARC gab es mehrere Verlobungen,aber nur eine Hochzeit: Der deutsche Segler Axel Wille von Milonga hielt in St. Lucia um die Hand seiner Freundin an und wollte sofort heiraten. Flugs wurde eine spezielle Heiratserlaubnis vom Fremdenverkehrsamt arrangiert, und das Paar wurde während der ARC an Bord ihrer Yacht in Rodney Bay getraut.

Mann über Bord nach 18 Stunden im Wasser bei ARC99 gerettet
Vier ARC99-Yachten halfen bei der Suche nach einem Mann über Bord Überlebenden, der 18 Stunden im Wasser verbrachte. Skipper Petter Noreng von der norwegischen Yacht Jägermeister wurde nach einer spektakulären Rettungsaktion lebend aus dem Atlantischen Ozean gefischt. Die 11-m-Yacht, gesegelt von Petter Noreng, Ola Strand Andersen, Karl Kjorstad und Rob Wilson überquerte den Atlantik zur gleichen Zeit wie World Cruising Clubs ARC99, die größte Transozeanrallye aller Zeiten. Um 1.00 Uhr UTC Montag, 6. Dezember,vernahmen die Yachten den MAYDAY-Ruf von Jägermeister, nachdem Petter in einer Sturmbö über Bord gegangen worden war.
Als erste am Unfallort war die ARC-Yacht Mazy (Arcona 40DS), dicht gefolgt von 3 weiteren ARC-Yachten Sonja (Bavaria 50), Barefoot (Oyster 485) and Hildring (Jeanneau 42). Alle drei Yachten waren über vier Stunden vom Ort des Geschehens entfernt gewesen und änderten ihren Kurs, um der Yacht in Not zu Hilfe zu eilen. Systematisch durchkämmten sie das Unfallgebiet; die Yacht Mazy koordinierte die Suchaktion und die Kommunikation zwischen den ARC-Yachten und dem Flugzeug der amerikanischen Küstenwache. 16 Stunden nach dem Unfall setzte schwerer Regen ein, und die Dunkelheit nahte. In der letzten Phase der Rettungsaktion konnte die Yacht Hildring Petter Noreng sichten und ihn an Bord retten.

Mr ARC
Vierzehnmal hat Manfred mit der ARC den Atlantik überquert. Daher hat ihn die deutsche Presse anlässlich seines 70. Geburtstags „Mr. ARC“ getauft. 1986 kaufte er eine neue Swan (61 Fuss), die er zweihand mit der allerersten ARC über den Atlantik segelte. Als zweites Schiff überquerte die „Albatros“ die Ziellinie, und er erhielt die Premierminister-Trophy. Bei allen folgenden ARCs landete er immer wieder auf vorderen Plätzen. Seine schnellste ARC segelte er 2002 in 13 Tagen, 15 Stunden, 40 Minuten und 20 Sekunden.

       

       
 
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