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Blauwasser-Veranstaltungen / Segelevents
ARC
ARC Logbuch
Donnerstag 11.12.03
Die Küche an Bord ist ein kleines Schmuckkästchen. Alles hat seinen Platz und ist von der Größe so geschnitten, dass der Platz optimal genutzt ist. So passt das Holzbrettchen genau in die Spüle, um zusätzlichen Arbeitsplatz zu schaffen, die Plastikwanne passt da rein, um festen Halt zu haben. Der Gasherd ist kardanisch aufgehängt, um den Bewegungen der Wellen folgen zu können und der Backofen ist mit einer doppelten Glastür versehen, um sich daran nicht zu verbrennen.
Man steht darin in einem U-förmigen Bereich, genau Hüftgerecht, um sich nach allen Seiten abstützen zu können. In der Spüle gibt es einen Süßwasserhahn und zusätzlich eine Fußpumpe für Salzwasser zum Vorspülen.
Die Töpfe sind in der Größe so dimensioniert, dass sie auf dem zweiflammigen Gasherd passen und anschließend auch in der Spüle zur Weiterbearbeitung exakt ihren Platz finden. Ein ordentlicher Satz Küchenmesser gehört ebenfalls dazu, sowie ein Messerschärfer.
Harry hat darin geradezu gezaubert, selbst bei 38°, wie heute, bereitet es ihm keine Probleme. Das Gemüse wird von uns an Deck vorbereitet, heute von Margit und Angelika (siehe Bild), dann geht's zu Harry runter in die Sauna. Ein Gemüsewok mit Estragonkartoffeln und spanischem Roséwein.
Heute hat uns wieder ein Rudel Delphine begleitet. Es ist beeindruckend, mit welcher Eleganz und Geschmeidigkeit diese Tiere sich durch das Wasser bewegen. Sie machen sich einen Spaß daraus, vor dem Bug zu kreuzen, als wollten sie sagen: "Auf geht's, schneller!" Das hat aber der Wind nicht zugelassen, obwohl wir heute den großen Spinnaker gesetzt haben.
Morgen Abend werden wir in St. Lucia ankommen. Ich weiß nicht, wie ich das Gefühl ausdrücken soll, nach drei Wochen segeln auf dem Atlantik. Ich glaube, man kann die ARC nicht erklären, man muss sie erleben! Sich drei Wochen ganz und gar der Natur auszusetzen ist für mich ein völlig neues, faszinierendes Gefühl, das ich auf diese Weise nicht kannte.
Es kam mir vor, an einem großen Schachbrett des südlichen Nordatlantik zu sitzen und sich unter den gegebenen Bedingungen Strategien des schnellsten Weges zu finden. Doch immer wieder findet die Natur neue Schachzüge, die nicht vorhersehbar sind und die bisherige Strategie über Nacht obsolet werden lassen. Und man muss sich neu auf die Situation einstellen.
Wir sind auf Platz 125 zurückgefallen und ‚Spensierata' liegt mit nur 9 Meilen Vorsprung auf Platz 124. Vielleicht schaffen wir's ja noch!
Jetzt gehen wir wieder an Deck. Da der Mond noch nicht aufgegangen ist, ist der Sternenhimmel mit der ganzen Milchstrasse in einer solchen Klarheit zu sehen wie selten.
Endurance-Crew
Freitag 12.12.03
Mit lautem Hurrah und dem Knallen unseres letzten Sektkorken überquert die Endurance gegen 19.00 Uhr lokal (ca Mitternacht deutscher Zeit) die Ziellinie in Rodny Bay, St. Lucia (14° nördlich des Äquators und 60° westlich von Greenwich).
Nach 19 Tagen und 11 Stunden sind wir glücklich, diese Abenteuer unversehrt geschafft zu haben. Hier schulden wir vor allem Harry und Thorsten mit ihrer großen Segelerfahrung Dank, ebenso den Organisatoren der ARC (Atlantic Rally for Cruisers) für ihre großartige Organisation.
Wir gratulieren uns und freuen uns, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Das Gefühl ist schwer zu beschreiben, nach 5000 Kilometer das Ziel erreicht zu haben: Freude, Glück, Entspannung, Dankbarkeit, reich sein an Erfahrung.
Mit einem Planter's Punch werden wir an Pier A, Bucht 103 empfangen. Ging die ‚Spensierata' tatsächlich zwei Stunden vorher über die Ziellinie, so holen wir die Besatzung spätestens in der Marina Bar ‚Scuttlbutts' ein, wo wir uns zum ‚warm-up' treffen.
Anschließend gehen wir zum ‚jump-up' nach Down Town Rodny Bay, wo die Einheimischen jeden Freitag zur Freude der geschafften Arbeit sich zu einem ausgelassenen Straßenfest treffen. Die Mainstreet hinunter, vorbei an Wellblechhütten zieht der Rauch von Holzkohlefeuer, der Duft von gegrillten ‚drumsticks' (Hühnerschlegelchen), gebratenem Fisch und frischem Abfall knapp unterhalb der blau weißen Wimpeln, die im zick und zack zur Dekoration über die Straße gespannt sind.
Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Schon am ersten Hühnergrill bleibt die Besatzung der Endurance hängen. Als hätte sie die letzten zwei Wochen nichts zu essen bekommen, verschlingen sie diese drumsticks mit ‚hot spicy sauce'. Die Schlegelchen durchlaufen dabei drei Holzkohlegrills. Auf den ersten kommen sie weiß drauf, leicht braun auf den zweiten und dann knusprig braun auf den dritten so, als hätten sie eben den Atlantik überquert! Mit lautem Knurren machen die Hunde, fast so zahlreich wie die Menschen, unter sich klar, wer den nächsten Knochen bekommt.
Bewaffnet mit einem ‚drumstick' in der einen und einer Flasche ‚Piton' Lagerbier in der anderen Hand zieht die Besatzung weiter.
Der Höhepunkt ist zweifellos die Kreuzung mit der Marie Théres Street, wo drei Reihen ‚hot-spot-sounds'-Lautsprecher Karibik pur so laut in den Nachthimmel schallen, dass das Echo sicher bis in Deutschland zu hören gewesen sein muss. Spätestens jetzt wird der letzte Rest der Atlantikstille aus unseren Körpern geblasen und keiner kann sich dem Rhythmus dieser Musik entziehen, der allen Einheimischen in die Wiege gelegt zu sein scheint.
Thorsten taut als erster auf! Nach und nach mischt sich die gesamte Besatzung in die Menge der Tanzenden. Gegen 06.00 Uhr unserer Zeit kommt die Besatzung auf's Boot zurück, nachdem sie sich auf dem Rückweg noch mal mit Hühnerschlegelchen, Whisky und Bier gestärkt haben. Ein toller Abend!
Hiermit verabschiedet sich die Endurance-Crew, all die weil der Urlaub damit zu Ende geht und die Pflicht, das Luder, zu hause wieder ruft. Wir sind dankbar diese großartige Erfahrung mit unserem Freund, dem Atlantik gemacht zu haben und wünschen sie jedem. Doch - mit der Natur, niemals gegen sie!
Endurance-Crew
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